Logbucheintrag: Die Brötchentüten-Navigation und was die mit den Polynesiern* zu tun hat

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Vom Umgang mit Unsicherheit und die Polynesier als Rule Models

Ich wohne am Ufer des Bodensees, der Hafen liegt nur wenige 100 Meter entfernt. Nicht jeder Segler, der dort festmacht, weiß wo er angelandet ist. Unter traditionellen Seglern ist das eine Schmach. Was hilft: Beim nächstgelegenen Bäcker einkaufen und auf der Brötchentüte auf die Adresse spicken. Das nennt man spöttisch die Brötchentüten-Navigation.

Der Umgang mit Ungewissheit ist auch für Unternehmen eine Herausforderung, Zumutung, Stress. Aber Transformations- und Disruptionsprozesse verlaufen ungewiss, Ziele sind nur vage erkennbar und benennbar. Das mögen wir Menschen nicht. Der gute alte Regelkreis aus Planung, Steuerung und Kontrolle ist uns da viel näher. Hilft aber nichts, neues braucht Experimente, Aufbruch und Wagnis. Gut, dass es dafür Rule Models gibt – die alten Polynesier*.

Der Pazifik ist unendlich weit, eine Wasserfläche von über 50 Millionen Quadratkilometern und tausenden Atollen und Inselchen. Trotzdem ist es den Polynesiern gelungen, die komplette Südsee zu erkunden. Weil die Erkundung (vermutlich) 1500 v. Chr. begann, gibt es keinen Kompass, kein Sextant, die Auslegerboote und Katamarane waren aus Holz und Kokosfasern, die Segel aus Palmblattmatten. Eine der ganz großen Leistungen der Menschheitsgeschichte. Und eine Lehre für den Umgang mit Ungewissheit, für die Bereitschaft zu Experimenten, für die kulturelle Verankerung von Wagemut.

Polynesisch segeln und navigieren

#Wagemut – Sie haben es gemacht! Sie kamen in die Handlung! Sie haben sich vorbereitet, an ihren Skills gearbeitet, Ressourcen gebündelt, aber dann war der Moment des Aufbruchs gekommen. Schluss mit Arbeitskreisen, sobald die Voraussetzungen günstig schienen, sind sie in ihre Boote gestiegen. Dann haben sie es gewagt, immer und immer wieder.

#Skills – ihre Navigation baute auf einer genauen Beobachtung der Naturphänomene auf dem Meer und exzellentem Wissen über den Sternenhimmel auf. Durch die generationenübergreifende Beobachtung des Ozeans, der Sterne, der Wind- und Strömungsrichtungen, des Vogelflugs, der Wanderrouten von Walen und Schildkröten sowie Dutzenden anderer Faktoren konnten sich diese Potenziale entwickeln. Ihr Wissen haben sie durch Gesänge vergemeinschaftet.

#Mindset – im Kern ist es dieses Wissen: Alles ist immer im Fluss, alles ändert sich stets, nichts ist beständig. Es gibt keine Gewissheiten. Nur wer bereit ist, die Rahmenbedingungen immer wieder in Frage zu stellen, wer so wach und reaktionsfähig unterwegs ist, um die aktuellen Wellen, die momentanen Winde, das Verhalten der Wale und das aufkommende Wetter neu zu deuten und in ihren Wechselwirkungen zu kombinieren versteht, der kann seine Chancen im Umgang mit Ungewissem erhöhen.

#Dynamikrobust – die Polynesier wussten Chancen und Risiken in eine Balance zu bringen. Jede neue Expedition war im agilen Sinne zutiefst iterativ und inkrementell organisiert. Mit jeder nächsten Etappe haben sie neue Erfahrungen gesammelt, innovative Routen ausprobiert, ihren Erfahrungshorizont ein Stückchen erweitert – immer so weit wie die Risiken beherrschbar schienen. Dann sind sie zurückgesegelt, haben diese neuen Erkenntnisse geteilt, gemeinsam reflektiert und auf diesem neuen Standard aufbauend die nächste Etappe geplant.

Zurück zur Brötchentüten-Navigation: Macht euch also locker, Segler, lernt von den Besten. Auch die phänomenalsten Segler aller Zeiten wussten nicht, wo sie gelandet sind. Trotzdem sind sie mit Stolz zurückgekehrt und haben ihre neuen Erfahrungen geteilt und verarbeitet. Um dann solchermaßen gestärkt zum nächsten Experiment aufzubrechen.

Wenn der Umgang mit Ungewissheit bei der unternehmerischen Transformation die zentrale Herausforderung ist, dann ist es für eine Einordnung hilfreich, mal wieder einen Blick auf die generellen Qualitäten des transaktionalen und transformatorischen Führungsstil zu werfen. Die gängigen Zuschreibungen zum transformationalen Führungsstil habe ich polynesisch zugespitzt:

*über die geschlechtertypische Rollenverteilung bei den PolynesierInnen ist mir wenig bekannt. Ich hab mir deshalb erlaubt, hier einen schlanken Fuß zu machen.

Den gemeinsamen Aufbruch wagen

– ergebnisorientiert, kompakt, spielerisch!

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